
Die Emmendinger Jusos kritisieren scharf die vom baden-württembergischen Lehrer Gabriel Stängle gestartete Online-Petition „Zukunft – Verantwortung – Lernen: Kein Bildungsplan 2015 unter der Ideologie des Regenbogens“, die mittlerweile über 94 Tausend UnterstützerInnen insgesamt gefunden hat. Die Petition richtet sich gegen die Pläne der grün-roten Landesregierung, das Wissen über die sexuelle Vielfalt im Lehrplan zu integrieren und ihre Akzeptanz zu fördern.
„Wer sich die Forderungen dieser Petition anschaut, wird sofort merken, dass diese der vom Kultusministerium entwickelten Bildungsreform 2015 nicht unbedingt wiedersprechen: 'Ein Nein zur Überbetonung einzelner Gruppen und ihrer Interessen', 'die Orientierung an den Werten unseres Grundgesetzes, das den Schutz von Ehe und Familie als demokratische Errungenschaft verteidigt' oder 'die Vertiefung und nicht die Überwindung dieses Problems' - das sind doch auch Ziele dieser geplanten Reform, welche 2015 in Kraft treten soll. Erst beim Weiterlesen dieser Petition wird klar, dass diese Forderungen mit voller abstrusen und diskriminierenden Argumenten begründet werden. Nur weil homosexuelle und andere Lebensstile in der Bildungsplanreform 2015 als gleich erstrebenswert dargestellt werden, bedeutet dies noch lange nicht, dass dadurch der Schutz der Ehe und Familie gefährdet wird. Unsere Gesellschaft ist heute bunter geworden, weil sie einfach offener ist als früher. Dementsprechend können auch Ehe- und Familienmodelle auf vielfältiger Weise gelebt werden. Das traditionelle Familienbild von Mann und Frau wird dadurch doch nicht abgeschaft, sondern ergänzt. Das manche Menschen dies im 21. Jahrhundert immer noch nicht verstehen und akzeptieren können bzw. wollen, ist enttäuschend und erschütternd zugleich.“ - erörtet Ana Agatiev, Juso-Kreissprecherin Emmendingen.
„Es ist sehr traurig, dass sogar manche ÄrztInnen, PädagogInnen und religiöse Gemeinschaften wie z.B. die Arbeitsgemeinschaft von Pfarrerinnen und Pfarrern in Württemberg (Confessio e.V.) diese Onlinepetition unterstützen. Die Unterstellung, dass im neuen Bildungsplan eine Toleranz eingefordert würde, 'die intolerant ist im Blick auf eine vernünftige, gesunde Abgrenzung gegenüber diesen Deviationen vom Natürlichen und gegenüber der Leugnung der allgemeingültigen Lebensordnung Gottes für Mann und Frau', macht uns fassunglos – erklärt Maximilian Heß, Mitglied des Juso-SprecherInnengremiums. Schon diese Wortwahl wie 'gesunde Abgrenzung' oder 'Deviationen vom Natürlichen' zeigt eigentlich nur, wie stark und massiv die Homophobie in unserer Gesellschaft präsent ist. Nicht die im Bildungsreform geforderte Toleranz ist unchristlich; unchristlich ist, eine menshenverachtende Ideologie unter „christlichem Deckmantel“ zu verstecken.
Erfolgreich wird die Petition nur dann sein, wenn sie von mindestens 100 Tausend Baden-WürttembergerInnen unterzeichnet wird. „Wir gehen davon aus, dass sie diese Zahl nicht erreichen wird. Dennoch ist der Zuspruch zu dieser homophoben Petition erschreckend. Genau deswegen muss die fächerübergreifende Vermittlung einer offenen und toleranten Gesellschaft unter dem Gesichtspunkt der Akzeptanz sexueller Vielfalt in den Bildungsplan verankert werden. Wir begrüßen deshalb, dass als Reaktion auf diese Petition eine Gegenpetition gestartet wurde (https://www.openpetition.de/petition/online/gegenpetition-zu-kein-bildungsplan-2015-unter-der-ideologie-des-regenbogens ), die hoffentlich viel mehr UnterzeichnerInnen finden wird.“ - so abschließend Ana Agatiev und Maximilian Heß.


